Vom fragwürdigen Zauber männlicher Schönheit: Politik und Homoerotik in Leben und Werk von Thomas und Klaus Mann

Research output: Chapter in Book/Report/Conference proceedingChapterAcademic

181 Downloads (Pure)

Abstract

Homosexualität ist im Leben und in den Werken von Thomas und Klaus Mann deutlich präsent. Auf den ersten Blick scheint es jedoch, dass man sich kaum einen größeren Unterschied zwischen Vater und Sohn vorstellen kann, sieht man sich die Art und Weise an, in der jeder der beiden seine Homosexualität zum Ausdruck gebracht hat. Während Thomas Mann sich zu einer Ehe entschloss und sein homoerotisches Verlangen in seiner Kunst und seinen politischen Schriften sublimiert hat, lebte Klaus seine homosexuelle Neigung mehr oder weniger offen aus. Doch wenn man ihre Homosexualität vor dem Hintergrund der Entwicklung ihres politischen Denkens sieht, verwischt sich der Unterschied zwischen Vater und Sohn. Nach dem Aufkommen des Nationalsozialismus gaben beide ihre ursprünglich eher apolitische Haltung auf, gelangten zu ähnlichen politischen Ansichten und prangerten den Nationalsozialismus an. In der Projektion öffentlicher Angelegenheiten auf intime Bedürfnisse und Fantasien wird das politische Denken beider Autoren stark von ihrer eigenen persönlichen Problematik beeinflusst. Und doch vermochten es beide Schriftsteller nicht, ihre Homosexualität mit einem demokratischen politischen Aktivismus in Einklang zu bringen. Beide sahen Homosexualität als der ästhetischen Sphäre zugehörend an, die letztendlich schwer mit moralischer und politischer Verantwortung zu vereinen war. Indem ich mich mit der Art und Weise beschäftige, in der sie Persönliches mit Poltitischem verbanden, vertrete ich in diesem Artikel die These, dass man ihre letztendlich pessimistische Wahrnehmung der Homosexualität nicht verstehen kann, ohne die Entwicklung ihrer politischen Ansichten zum Nationalsozialismus zu berücksichtigen.
Original languageEnglish
Title of host publicationHomosexualität und Staatsräson
Subtitle of host publicationMännlichkeit, Homophobie und Politik in Deutschland 1900 bis 1945
EditorsS. zur Nieden
Place of PublicationFrankfurt am Main & New York
PublisherCampus Verlag
Pages114-142
Publication statusPublished - 1 Jan 2005
Eventconference; 2005-01-01; 2005-01-01 -
Duration: 1 Jan 20051 Jan 2005

Conference

Conferenceconference; 2005-01-01; 2005-01-01
Period1/01/051/01/05

Cite this